Getrieben und genietet – keltische Kupferkessel

Letztes Jahr wurde im Areal der spätlatènezeitlichen Siedlung von Basel-Gasfabrik ein etwa 2100 Jahre altes einzigartiges Fund-Ensemble als Block geborgen.

Seither wird diese im Rheinhafen St. Johann zum Vorschein gekommene sehr umfangreiche Deponierung – denn um eine solche handelt es sich – unter Laborbedingungen weiter freigelegt. Zu den vielen herausragenden Stücken des Ensembles gehören zwei vollständig erhaltene metallene Kessel. Sie haben einen rundlich gewölbten Boden aus getriebenem Buntmetallblech. Das Randblech und die beiden Ringhenkel bestehen aus Eisen. Die Gefässe waren leer und sind umgestülpt niedergelegt worden, was auf eine Opferung hinweist.
Auf der Unterseite des grösseren Kessels sind zwei Flickstellen zu sehen: Über Rissen sind mit Nieten und eckigen Unterlagsblechen auf der Innenseite Blechstücke befestigt worden. Unklar ist, ob die Risse bereits während des Herstellungsprozesses oder erst beim Gebrauch des Kessels entstanden sind.
Solche Kessel dienten u. a. zum Sieden grosser Fleischstücke über dem offenen Herdfeuer. Sie waren ein wichtiger Bestandteil gehobener Haushalte. Daraus entnahm der Gastgeber die besten Stücke und bediente damit wichtige Gäste, denen er neben anderen Leckerbissen auch reichlich Wein und Bier vorsetzte.
Die Kessel sollen in den nächsten Monaten vorsichtig geborgen und noch genauer untersucht werden. Sie gehören europaweit zu den ganz wenigen komplett erhaltenen Exemplaren aus der jüngeren Eisenzeit. Ihr wissenschaftlicher Wert wird durch die genaue Dokumentation der anderen gleichzeitig niedergelegten Objekte der Deponierung sowie durch den Kontext mit der Siedlung noch vergrössert.

Details
Objekt: Kessel aus Buntmetall- und Eisenblech
Datierung: Spätlatènezeit, ca. 150–80 v. Chr.
Fundort: Basel-Gasfabrik, Rheinhafen St. Johann